Die TU Dresden hat 2021 gemeinsam mit dem migrantischen Verein DaMOst das Projekt „MigOst – Ostdeutsche Migrationsgesellschaft selbst erzählen“ gestartet. Ziel ist, migrantische Perspektiven auf Leben und Alltag in Ostdeutschland stärker in den Fokus lokaler Stadtgeschichte zu rücken.

Ob in Kunst, Medien oder Wissenschaft: Über die Rolle von Migrant*innen in Ostdeutschland wurde lange Zeit kaum gesprochen. Meist dominierte die westdeutsche Einwanderungsgeschichte den Diskurs; „Gastarbeiter“ statt „Vertragsarbeiter“, „Asylanten“ statt „politische Exilanten“.

Auch Ostdeutschland hat eine lange Migrationsgeschichte

Dabei hat auch Ostdeutschland eine lange Migrationsgeschichte: DDR-Vertragsarbeiter*innen aus Vietnam, Mosambik oder Polen beluden Schiffe in Rostock, förderten Kohle in der Lausitz oder bauten Waggons in Halle. Menschen kamen für eine Ausbildung oder einen der raren Studienplätze in die DDR; andere als politische Emigrant*innen. Nach der Wende folgten Spätaussiedler*innen, Kontingentflüchtlinge und Kriegsflüchtlinge aus Jugoslawien, später aus Syrien und Afghanistan. Andere, als Kinder binationaler Paare in Ostdeutschland geboren, machten Erfahrungen des Andersseins, obwohl sie selbst keine Migration erlebten.

Trotzdem bleiben Migrant*innen und People of Colour (PoC) aus Ostdeutschland häufig unsichtbar, wenn in Kunst, Medien oder Wissenschaft über „die Ostdeutschen“ oder generell über Migrant*innen gesprochen wird.

Austausch über den Alltag in Cottbus, Halle und Dresden

Mittlerweile sind mehrere Initiativen, Verbände und Projekte entstanden, die diese Lücke füllen wollen. Eins davon ist das Projekt MigOst, kurz für: „Ostdeutsche Migrationsgesellschaft selbst erzählen“. Verantwortet von der Technischen Universität Dresden und dem Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst e.V.) verfolgt das Projektteam das ehrgeizige Ziel, die Teilhabe von Migrant*innen in der ostdeutschen Gesellschaft sichtbarer zu machen.

Dafür organisiert das Team 2021 und 2022 gemeinsam mit migrantischen Organisationen wie dem Dresdner Weltclub, dem Geflüchteten Netzwerk Cottbus oder Migrant Voices Halle zunächst Austauschtreffen für Migrant*innen und PoC in den drei ostdeutschen Städten Cottbus, Halle und Dresden. Bei diesen „Erzählcafés“ kommen Geschichten zu Identität und Zugehörigkeit, Ankommen, Bleiben und Gehen zu Tage. Es sind Erzählungen von alltäglichen Erlebnissen und herausragenden Vorkommnissen in den neuen Bundesländern vor, während und nach der Wende.

Mehr Sichtbarkeit in Kultur und Forschung

Aus diesen Geschichten werden ab 2023 erstens gemeinsam mit migrantischen Vereinen und Kulturinstitutionen in Dresden, Halle und Cottbus Kulturproduktionen wie Theaterstücke, Ausstellungen oder Stadtrundgänge entstehen. Ziel ist es, migrantischen Perspektiven aus und auf Ostdeutschland einen Platz in der lokalen Erinnerungskultur zu schaffen. Zweitens werden auf Grundlage der wissenschaftlich erhobenen und archivierten Einzelgeschichten Beiträge in Forschungsjournalen publiziert, um die Wissenschaft stärker für das Thema ostdeutsche Migrationsgesellschaft zu sensibilisieren.

MigOst – Leitbild Bürgerwissenschaft

Das Projekt MigOst ist im März 2021 gestartet und bezieht von Beginn an Migrant*innen und migrantisierte Personen mit ein: von der Konzepterstellung über die Themensetzung der Erzählcafés bis zum Umgang mit den migrantischen Geschichten. Denn das Projektteam sieht die Zeitzeug*innen selbst als Expert*innen für ihre Geschichte an.

Mehr Informationen unter: https://www.damost.de/projekte/migost/

Das Projekt wird im Rahmen des Förderbereichs Bürgerforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es gehört zu 15 Projekten, die bis Ende 2024 die Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler inhaltlich und methodisch voranbringen und Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben sollen. Mehr Informationen dazu hier: https://www.buergerschaffenwissen.de/

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