„Miteinander für Frieden und Freude“ ist das Motto des diesjährigen Japan-Tages, veranstaltet in Düsseldorf am Rhein. Mit über 6.500 Bewohner:innen mit japanischer Staatsbürgerschaft befindet sich in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt die drittgrößte japanische Diaspora in ganz Europa. „Litte Tokyo“ nennen manche daher die ganze Stadt. Andere verwenden diesen Ausdruck für das stark japanisch geprägte Viertel rund um die Immermann- und die Klosterstraße. Durch zahlreiche Vereine und Institutionen hat sich die japanische Community gut in Düsseldorf eingelebt. In vielen Projekten fördern sie auch den kulturellen Austausch mit Nicht-Japaner:innen. Eines davon ist der alljährliche Japantag mit vielen Veranstaltungen und Angeboten. Dieses Jahr fällt das Fest auf den 21. Mai.

Die japanische Community entsteht

Kaum zu glauben, doch die heute Stadtprägende japanische Community in Düsseldorf entstand innerhalb von wenigen Jahrzehnten. 1964 wohnten rund 800 Menschen mit japanischer Staatsbürgerschaft in Düsseldorf. Zwei Jahrzehnte später lag die Zahl über viermal so hoch. Die Frage, warum es so viele Japaner:innen nach Düsseldorf verschlagen hat, hängt eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Japans und der deutschen Stadt zusammen.

1955, wenige Jahre nach der Ankunft der ersten japanischen Geschäftsmänner in Düsseldorf, wurde das erste japanische Unternehmen in der Stadt angemeldet. Weitere Firmen folgten. Dabei handelte es sich vor allem um Unternehmen aus der Schwerindustrie. Diese spielte nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl in Japan als auch in Deutschland eine entscheidende Rolle. Zunächst galt es dort – wie in vielen anderen Ländern – die zerstörten Städte wieder aufzubauen. Ein Zentrum der dafür notwendigen Schwerindustrie stellte das deutsche Ruhrgebiet dar.

Vorteile auf beiden Seiten

Die Vorteile des Standortes Düsseldorf lagen für die japanischen Firmen demnach auf der Hand: Zum einen profitierten sie von der Nähe zum Ruhrgebiet, wo sich deutschen Techniken im Bereich Maschinenbau und Stahlverarbeitung erlernen ließen. Zum anderen konnten sie sich die gute Schiffsanbindung Düsseldorfs an wichtige, europäische Häfen zunutze machen. So vergrößerten und vermehrten sich die japanischen Unternehmen vor allem im Verlauf der 1960er Jahre. 2012 hatten sich bereits über 450 in Düsseldorf und Umgebung niedergelassen.

Mit der steigenden Zahl der Unternehmen kamen auch viele japanische Angestellte auf befristete Zeit nach Düsseldorf. Die meisten brachten und bringen auch ihre Familienangehörigen mit. Bis Ende der 1960er wuchs die japanische Bevölkerung in Düsseldorf auf etwa 1.000 Menschen an. Dieser vermehrte Zuzug aus Japan wurde von Seiten der Stadtregierung durchaus bemerkt. Anfang der 1960er Jahre waren mehrere Projekte von städtischen Ämtern ins Leben gerufen worden, die weitere japanische Unternehmen anwerben und sichtbar machen sollten. Für Düsseldorf hatte die Ansiedlung dieser Firmen nicht nur positive, wirtschaftliche Folgen. Die wachsende japanische Community wurde bald auch zu einem touristischen Markenzeichen der Stadt.

Stadtmarketing-Kampagne in Düsseldorf 2013, Foto: Klaus D. Plümer, CC BY-NC-SA 2.0.

Die japanische Community in Düsseldorf

Damit sich die Neuankömmlinge in kurzer Zeit eingewöhnen konnten, gründeten sich nach und nach verschiedene japanische Vereine in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt. Darunter fällt seit 1964 unter anderem der beliebte Japanische Club. Zur wirtschaftlichen Interessenvertretung der Unternehmen entstand nur zwei Jahre später die Japanische Industrie- und Handelskammer. Inzwischen reicht die Infrastruktur der Diaspora von japanischen Lebensmittelläden über das japanischen Generalkonsulat bis hin zu verschiedenen Kultureinrichtungen.

Viele gehen – manche bleiben

Eine weitere wichtige Institution für die japanische Community entstand 1971: die Internationale Japanische Schule. Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung wurde sie von der japanischen Regierung offiziell als Bildungseinrichtung im Ausland anerkannt. Seitdem sind die dort erworbenen Schulabschlüsse also auch in Japan gültig. Dies ist bis heute besonders wichtig für die Kinder der Angestellten, die sich nur wenige Jahre in Deutschland aufhalten.

Dabei kehren längst nicht alle Düsseldorfer Japanerinnen und Japaner in ihr Herkunftsland zurück. In den letzten Jahren zeichnete sich eine Entwicklung ab, wonach immer mehr japanische Staatsbürger:innen dauerhaft in Deutschland bleiben. Was das für die japanische Community und ihre Integration in Düsseldorf bedeutet, wurde von einem Forschungsteam der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersucht. Die Ergebnisse der Studie erscheinen Mitte 2023 unter dem Titel “Japan in Düsseldorf”, herausgegeben von Dr. Christian Tagsold.

Kultur zeigen und erleben

Bisher gilt die japanische Community in Düsseldorf als sehr gut integriert. Ein deutliches Merkmal dieser Integration stellt das starke Engagement der japanischen Institutionen dar. Um einen kulturellen Austausch anzuregen, stehen ihre Angebote auch Nicht-Japaner:innen offen. Wichtige Anlaufpunkte für Interessierte sind beispielsweise der japanische Garten im Nordpark. 1975 überreichte ihn der japanische Botschafter in Deutschland als Geschenk der Diaspora an die Stadt. Auch das EKO-Haus der japanischen Kultur mit seinem buddhistischem Tempel lädt Besucherinnen und Besucher zu einem Einblick in die traditionelle, japanische Kunst und Kultur ein.

Zu den prominentesten Projekten der japanisch-deutschen Freundschaft in Düsseldorf zählt schließlich der sogenannte Japan-Tag. Seit 2002 wird er jährlich mit über einer halben Million Besucherinnen und Besuchern an der Rheinuferpromenade gefeiert. Am morgigen Samstag, dem 21. Mai, findet das Fest erstmals nach zweijähriger, pandemiebedingter Pause wieder statt. Durch das vielfältige Programm sind wie immer spannende Einblicke in die japanische Kultur garantiert: Unter anderem wurden für das morgige Fest verschiedene Bühnenshows, Workshops und Informationsstände vorbereitet. Auch das große Feuerwerk am Ende des Tages wird in diesem Jahr wieder zu sehen sein.

Titelbild: Zweisprachiges Straßenschild der Immermannstraße in Deutsch und Japanisch. Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International.

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Über den Autor

Ines S.

Ines studiert Public History an der Freien Universität Berlin und arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

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